Corona

Kein Zweifel: Etwas hat sich verändert, vieles ist anders.

Etwas, das wir noch nicht fassen können, bedroht uns, und die aktuelle Gefahr durch dieses Virus aus China ist in seiner Bedrohung extrem gefährlich.--

Der Gedanke, dass es einer globalen Bedrohung unseres Planeten bedarf, um die offensichtlich selbstzerstörenden Mechanismen und Verhaltensweisen seiner Bewohner zu stoppen, kam mir immer wieder in den letzten Jahrzehnten.

In meinen Vorstellungen dominierten in diesem Zusammenhang  allerdings Naturkatastrophen, atomare Gefahren, extreme Klimasituationen oder sogar extraterristrische Gefahren.

Dass es dieser Winzling aus Wuhan schaffen würde, das Leben von Milliarden Menschen in einer solchen Art und Weise zu beeinflussen, hätte ich mir nicht vorstellen können.

Fakt ist:

Die materiellen und immarteriellen Schäden nach vier Wochen  „Corona“ sind aktuell noch überhaupt nicht absehbar und einzuschätzen; im schlimmsten Fall könnte das Coronavirus im Nachhinein eine Zäsur in der Geschichte der Menschheit darstellen.

Mich bewegen momentan nur folgende Fragen:

Wie wird es nach „Corona“ weitergehen? Wird sich irgendetwas ändern? Wird der Mensch diese globale Bedrohung als Chance zu einer Korrektur seines Verhaltens und Denkens wahrnehmen?

Millionen von uns wissen es, die meisten ahnen es zumindest:

Vieles auf unserer Erde ist nicht in Ordnung, die Unterschiede sind riesengroß:

In Dubai legen Menschen für eine einzige Übernachtung 92000 Dollar hin, auf anderen Kontinenten laufen Frauen und Kinder sechs Stunden zu einem Wasserloch, um abends mit 10 Liter schmutzigen Wassers zu ihren Hütten zurückzukommen; Hunderttausende genießen einen immensen Reichtum, Abermillionen leben unter erbärmlichen Verhältnissen.

Wie erwähnt, sind uns diese Tatsachen und unzählige weitere diffamierende, ungerechte und unmenschliche Existenzbedingungen durch unsere allgegenwärtigen Medien bekannt, und viele von uns fühlen sich unwohl dabei.

Was bleibt uns aber übrig außer Ignoranz und Verdrängung?

Es ist reiner Selbstschutz, wenn wir auf diese Art und Weise reagieren, denn anders könnten wir unseren Alltag gar nicht bewältigen.

Tatsächlich? Können wir gar nichts tun?

Geht es nach Corona genau so weiter? Wird sich nichts ändern?

Wären die Erfahrungen und Erkenntnisse dieser Pandemie nicht eine Chance, um über manches nachzudenken?

Eine einzige Tatsache, eine einzige Erkenntnis müsste uns animieren - praktisch zwingen - an Änderungen zu denken und sie aktiv anzugehen:

Angeschlagen, vergewaltigt, verletzt und geschunden, wie sich unser Planet in vielen Bereichen und in all seiner Vielschichtigkeit aktuell präsentiert, ist er das Ergebnis der Handlungen seiner Bewohner, des Homo sapiens; nur dieser allein ist für alles verantwortlich, niemand sonst, kein Gott, keine obskure Macht, kein unentrinnbares Schicksal.

Braucht es Beweise für diese Behauptung?

Auch vor dem Beginn des Industriezeitalters (etwa 1770) hatte der Mensch mit der aktiven Umgestaltung und Beherrschung der Natur begonnen, aber dieser Herrschaft und ihren Auswirkungen waren vor der Erfindung der Dampfmaschine und der damit beginnenden Technisierung und beschleunigten Entwicklung von Produktivität und Wissenschaft Grenzen gesetzt; Veränderungen und Neugestaltung durch menschliche und tierische Arbeitskraft waren in ihrer Effizienz limitiert.

Erst mechanische (später auch nukleare) Energie, die Erfindung des Computers und rasante Entwicklungen und Erfindungen auf allen Gebieten bestärkten unseren Glauben an unbegrenzte Produktion und damit auch einen unbegrenzten Konsum.

Die Natur hatte nur eine Aufgabe: sie musste die Bausteine für die Machwerke, die Ideen und die neuen Schöpfungen des Homo sapiens liefern; „macht euch die Erde untertan“, egal, was kommt.

Unser Verhältnis zur Natur wurde feindselig, die Vision einer Harmonie zwischen Mensch und Natur gaben wir auf, sie spielte keine Rolle mehr.

Wir gestalteten die Natur zu unseren eigenen Zwecken um und merkten dabei nicht, dass die Unterjochung der Natur zu ihrer Zerstörung führte, dass Naturschätze begrenzt sind und tun heute überrascht, dass sich die Natur gegen die Raubgier des Menschen wehrt.

Ist ein Mehr an Naivität und Heuchelei vorstellbar?

Seit 50 Jahren weisen Wissenschaftler und Experten auf mögliche Probleme hin („Club of Rome“/1971: Ganz neue Vorgehensweisen sind erforderlich, um die Menschheit auf Ziele auszurichten, die anstelle weiteren Wachstums auf Gleichgewichtszustände führen. Sie erfordern ein außergewöhnliches Maß von Verständnis, Vorstellungskraft und politischem und moralischem Mut“).

Unfassbar scheint folgende Tatsache:

Alle Daten, Erkenntnisse und erwartbare Konsequenzen unseres Tuns sind der Öffentlichkeit bekannt, sind mit ein paar Klicks nachprüfbar.

Während jeder Mensch bei einer Bedrohung seiner Existenz mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften versuchen würde, die Gefahren zu bekämpfen und zu beseitigen, scheuen sich die von uns Gewählten und damit für das öffentliche Wohl Verantwortlichen, notwendige Schritte einzuleiten; ernsthafte, verändernde und wirksame Maßnahmen werden in endlosen Konferenzen erörtert und in umfangreichen Resolutionen dokumentiert, spürbare Veränderungen sind minimal und bewirken fundamental nichts.

Könnte es auch sein, dass wir die befürchtete und zu erwartende Katastrophe den Opfern vorziehen, die wir jetzt bringen müssten? Einfach Augen zu und hoffen, dass alles doch nicht so schlimm wird?

Egal, welche Erklärungsversuche wir priorisieren, eines steht fest: wenn wir fundamental nichts ändern, werden wir die drohenden katastrophalen Szenarien nicht verhindern.

Haben diejenigen Recht, die schon lange eine neue Ethik und eine veränderte Einstellung zur Natur fordern?

Macht uns unsere gegenwärtige Gesellschaftsordnung krank, und steuern wir auf eine wirtschaftliche Katastrophe zu, wenn wir unser Gesellschaftssystem nicht grundlegend umgestalten?

Könnte es zutreffen, dass unser physisches Überleben von einer radikalen seelischen Veränderung abhängt?

Müssen wir umdenken, wenn wir überleben wollen?

Nicht Profit, Habgier, Konsum, Vergnügen, Egoismus, Selbstsucht – diese Werte braucht unser System und muss sie dementsprechend fördern – sondern Mäßigung, Rücksichtnahme, Bescheidenheit, Toleranz, sorgsamer Umgang mit Ressourcen, Verzicht?

Ich denke, dass solch erforderliche tiefgreifende menschliche Veränderungen nur möglich sind, wenn drastische und schmerzhafte ökonomische und soziale Gegebenheiten uns dazu zwingen.

Also, auf was warten wir dann noch?

Die Gegebenheiten sind da.

Es liegt jetzt nur an uns.

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