Hallo!

 Vielleicht geht es Ihnen auch so:

 Sein Leben lang wird man überschüttet mit Wissen, Fakten, Meinungen, Sensationen und vielen weiteren

 Erkenntnissen, aber immer bleibt trotz dieser Fülle an Details ein Gefühl, dass diese Dinge in ihrer

 Isolation sicher eine gewisse Bedeutung haben, aber eine Frage nicht beantworten: Was "hält die Welt im

 Innersten zusammen"? Um was geht es denn eigentlich im Leben?

 Es muss doch etwas übergreifend Verbindendes geben, etwas, das alles erklärt; aber ich fürchte, es geht

 uns genau so wie Faust:

 Da steh ich nun, ich armer Tor!
 Und bin so klug als wie zuvor;
 Heiße Magister, heiße Doktor gar
 Und ziehe schon an die zehen Jahr
 Herauf, herab und quer und krumm
 Meine Schüler an der Nase herum –
 
Und sehe, daß wir nichts wissen können!

 Die Sinnfrage des Lebens zu beantworten, haben schon Millionen von Menschen versucht; eine finale, allgemeingültige

 Antwort hat noch keiner gefunden, auch wenn mancher überzeugt von seinem Postulat ist.

 Zwei Bücher, die bei diesem "ewigen" Dilemma meiner Meinung nach ein wenig helfen können, habe ich bei

 einem Bekannten entdeckt.

 Denjenigen, die jetzt nicht mitleidsvoll über meine rückständige Unkenntnis lächeln, möchte ich diese zwei

 Prosawerke wärmstens empfehlen; vor allem das Buch von Rosling dürfte Sie mehr als erstaunen.

 Natürlich bleiben nach der Lektüre noch viele Fragen offen, aber mir erschienen danach viele

 Zusammenhänge, Sachverhalte und auch aktuelle Geschehnisse wesentlich verständlicher und plausibler.

 Folgende Bücher meine ich:

 

 a) "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari (erschienen 2011)

 b) "Homo Deus" von Yuval Noah Harari (erschienen 2016)

c) "FactFullness" von Anna Rosling Rönnlund, Hans Rosling und Ola Rosling (erschienen 2018)

 

 Ich denke - nein, ich bin sicher - sie können jedem helfen, der noch nicht abgestumpft ist und aufgegeben hat.

 Ihre Meinung mürde mich interessieren, wenn Sie sie gelesen haben (am besten zweimal).

 

  NB! Auch die Bücher von Richard David Precht sind eine Quelle für überraschende Erkenntnisse.

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 Um Ihnen die Themen von Hans Rosling ein wenig näher zu bringen, hier ein kurzes Essay vom "Deutschland-Funk":

 Der Gesundheitsforscher Hans Rosling pflegt vor allem die Wahrheit als eine der großen Therapien. Sein Werk „Factfulness“ ist ein Plädoyer für den Fortschritt und für die  heilende Wirkung fundierter Fakten.

 In Zeiten von Fake News ist es ziemlich erfrischend, wenn ein Autor ganz auf Fakten setzt. Der kürzlich verstorbene schwedische Gesundheitsforscher Hans Rosling war  so einer. In seinem jetzt erschienen Buch, das sein Sohn und dessen Ehefrau zu Ende geführt haben, wird deutlich: Erst wer die Fakten kennt, kann seine Situation richtig  einschätzen.

 Deutlich wird das schon an einer einfachen Frage: Inwieweit hat sich in den letzten 20 Jahren der Anteil extrem armer Menschen verändert? Hat er sich a) fast verdoppelt, b)  nicht verändert oder c) deutlich mehr als halbiert? Letzteres ist richtig. Aber die wenigsten Menschen wissen das. Sie sind viel zu pessimistisch, lieben dramatische  Nachrichten und übersehen deshalb systematisch hoffnungsvolle Fakten, so die Erkenntnis Hans Roslings. Mit seinem Buch „Factfulness“ will er genau das ändern:  „Hier  finden Sie Daten, wie Sie sie bisher nicht kannten: Es sind Daten als Therapie.“

 Diagramme, Kurven und Statistiken – aber nicht nur

 Und so finden sich auf diesen 400 Seiten zahlreiche Diagramme, Kurven und Statistiken, die aufräumen mit Halbwissen und gefühlten Wahrheiten. Am überzeugendsten  aber sind die Fotos von Toiletten, Kochstellen, Zahnbürsten. Die Bilder wurden in den Haushalten vier unterschiedlicher Einkommensstufen gemacht – von den Ärmsten  der Armen bis hin zu den Reichen. Am oberen Ende der Skala ist verblüffend, wie sehr sich etwa die Schlafzimmer der wohlhabenden Menschen weltweit gleichen. Und die  Fotos vom unteren Ende der Skala zeigen, für wie viel mehr Lebensqualität schon ein einzelner zusätzlicher Dollar am Tag sorgen kann.

 Auch in Sachen Bildung, Gesundheit und in der Verhinderung von Gewalt gibt es große Fortschritte. „Früher war die Welt größtenteils barbarisch, heute ist sie es meistens  nicht. Für die Menschen in Syrien ist dieser Trend natürlich kein Trost“, schreibt Rosling. Wer aber positive Trends ignoriere und an einer dramatischen Weltsicht festhalte,  habe nicht nur schlechtere Laune, so der Gesundheitsforscher, sondern verpasse auch Chancen. Wie etwa ein Damenbinden-Hersteller, der immer neue Innovationen für  den gesättigten europäischen Markt entwickelt anstatt die große Nachfrage in Afrika und Asien zu bedienen.

 Mehr als nur Theorie

 „Factfulness“ ist für Hans Rosling aber keine reine Theorie. Als Arzt in Afrika und Asien musste er oft selbst entscheiden: Lieber einem kranken Kind helfen oder die  Ressourcen in Vorbeugung stecken? Und die eigenen Vorurteile erkennen lernen. Auf der Suche nach Hilfe für eine Hebamme in Tansania, lernte er, dass für ihre Arbeit  nicht bessere Medikamente entscheidend sind, sondern schlicht eine Taschenlampe, die verhindert, dass sie nachts auf Schlangen tritt.

 Und so steckt dieses kluge Buch voller Ratschläge, die helfen, nach den relevanten Zahlen zu fragen und sie einzuordnen. Roslings Ziel, Neugier auf Fakten zu wecken und  zum Selbstdenken anzuregen, geht voll auf. Er verfolgt dabei einen ähnlichen Ansatz wie der Kognitionswissenschaftler Steven Pinker. Fehlende Fakten sind aber nicht nur  ein Problem in der öffentlichen Debatte. Genauso wichtig ist die Neigung, Fakten für irrelevant zu halten. Das macht dieses Buch erschreckend klar.

 Und: Wem sein Weltbild über alles geht, wird dieses wichtige Buch nicht lesen. Leider.

  Hans Rosling (1948-2017)